OnePage Webdesign – Ist modern auch immer gut?

OnePage WebdesignVor ein paar Tagen habe ich in der Facebook-Gruppe des WordPress Bistros eine Umfrage gestartet, deren Ergebnis sicher nicht repräsentativ ist, aber vielleicht zum nachdenken anregt.

Meine Frage: Was haltet Ihr von „OnePagern“?

(OnePager sind Websites, die alle Inhalte auf einer einzigen Seite anzeigen und bei denen man immer weiter nach unten scrollt, um alles zu sehen. Wer sich das nicht vorstellen kann, hier ein Beispiel)

Jetzt wird es erst einmal ein wenig „mathematisch“, bevor ich Ihnen weiter unten verrate, wie ich zu dieser Art von Websites stehe 🙂

Umfrageergebnis zu OnePagern

An der Umfrage haben sich insgesamt 23 Personen beteiligt mit folgendem Ergebnis:

BewertungStimmen
Schrecklich, da klicke ich sofort weg7 Stimmen
Geht so6 Stimmen
Eher verwirrend3 Stimmen
Ziemlich schick3 Stimmen
Total Klasse3 Stimmen
Unflexibel1 Stimme

 
Von 23 Personen, die an dieser Umfrage teilgenommen haben sind also 17 (knapp 74%) von Websites mit einem OnePage-Design wenig bis überhaupt nicht begeistert. Lediglich jeder 4. Teilnehmer sagt, dass ihm das OnePage-Design gut bis sehr gut gefällt.

Unterscheide ich die Antworten nach Geschlecht (geantwortet haben 13 Frauen und 10 Männer), dann ergibt sich folgendes Bild:

76,9% der Frauen (10 von 13) gefällt das OnePage-Webdesign nicht oder nur mäßig.

Bei den Männern sind es 60% (6 von 10), die sich damit nicht so recht anfreunden können.

Zusätzlich zur Umfrage in der Facebook-Gruppe habe ich zufälligerweise am Wochenende auf der Business Convention des Women Entrepreneur Clubs (WEC) in Frankfurt noch ein paar weitere Meinungen sammeln können.

Dort wurde die Frage nach OnePagern von einer der anderen Teilnehmerinnen in einer OpenSpace-Veranstaltung in den Raum geworfen. Hier war das Ergebnis sehr eindeutig: 10 von 10 Frauen finden OnePager unübersichtlich und würden eine solche Website sofort wieder verlassen.

Meinungen

Ich stehe diesem neuen Trend in Sachen Webdesign sehr skeptisch gegenüber. Das OnePage-Webdesign wird im Moment sehr gehypt, und bei Recherchen zum Thema stoße ich immer wieder auf Aussagen wie

„Gegenüber klassischen Websites haben Onepager den Vorteil, dass sie klar kommunizieren und dabei dem User noch ein verbessertes Bedienerlebnis bieten.“

(Quelle: http://helllicht.com/blog/onepager-oder-onepage-website/)

„Der User findet sich auf solchen Websites schneller zurecht als auf einer regulären Website.“

(Quelle: http://www.onepager.de)

Demgegenüber stehen die Antworten, die ich auf meine kleine (wie gesagt nicht repräsentative) Umfrage erhalten habe:

„Mir wird bei diesem automatischen Scrollen immer schlecht“

„Im Web möchte ich selbst entscheiden,was ich lesen will und es nicht einfach vor die Augen geklatscht bekommen.“

„Ich möchte nicht erst durch alle Texte/Seiten scrollen müssen, nur weil ich einen Beitrag ganz am Ende lesen möchte. Ist mir auch zu unübersichtlich.“

„Für mich ist das nichts. Ich bin stark verwirrt, finde null Infos auf Anhieb, bin eher abgeschreckt von solchen Seiten.“

Selbst mir geht das so: Auf den allermeisten OnePage-Websites fühle ich mich desorientiert, weiß nicht so recht wo ich finden soll was ich suche und bin daher sehr schnell auch wieder weg von solchen Seiten. Und ich würde mich durchaus als internetaffin bezeichnen 🙂

Suchmaschinenoptimerung für OnePager

Neben der aus meiner Sicht in den meisten Fällen eher verwirrenden als hilfreichen Benutzerführung ist beim OnePager noch ein weiterer Aspekt zu berücksichtigen: SEO ist für diese Seiten nur sehr begrenzt und mit viel Aufwand möglich.

Auf e-dialog.at wurde dazu ein interessanter Artikel veröffentlicht: One Pager SEO Blueprint (Danke an Andreas Pfeifer, der mich auf diesen Beitrag aufmerksam gemacht hat.)

Mein Fazit

Ich glaube, dass der OnePager eine Mode ist, ähnlich wie Blümchenleggins: An wenigen Frauen sehen diese Leggins toll aus. Die Mehrzahl der Frauen die Blümchenleggins tragen werden aber voraussichtlich in wenigen Jahren die Bilder hassen, auf denen Sie damit zu sehen sind 😉

Und so sehe ich das auch für OnePage-Webdesign: Für einige wenige spezielle Themen sind OnePager sicher großartig geeignet, weil damit eine Message transportiert werden kann. Die Mehrzahl der Websites wird damit aber eher unübersichtlich und bedienerunfreundlich.

Bei meinen Recherchen zum OnePager bin ich über einen Artikel von Jan Hormann gestolpert, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Seinen Vergleich mit ägyptischen Papyrusrollen finde ich schlichtweg großartig (und natürlich freue ich mich auch, dass zumindest noch jemand meine Meinung teilt 🙂 ).

Bilden Sie sich Ihre eigene Meinung

Damit Sie sich Ihre eigene Meinung zum Thema OnePage-Webdesign bilden können, hier noch ein Link zu einem Artikel von Tobias Jordans, der nicht nur „Best Practise“-Beispiele für OnePager vorstellt sondern bei der Gelegenheit seinen Lesern auch noch 7 Regeln an die Hand gibt, die man beachten sollte, wenn man einen OnePager erstellen möchte.

Und nun bin ich gespannt auf Ihre Meinung: Gefällt Ihnen dieser neue Trend? Oder finden Sie es auch eher verwirrend, auf so einer Seite zu landen? Schreiben Sie es mir in den Kommentaren.

Bildquelle:
© olly – Fotolia.com

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Kommentare

OnePage Webdesign – Ist modern auch immer gut? — 18 Kommentare

  1. Danke für diesen Artikel, liebe Michaela!

    Ich hab mich so verstanden gefühlt. Auch ich finde diese OnePager schrecklich. Es fällt mir schwer, die Übersicht zu behalten, das Scrollen macht mich ganz nervös und reizt meine Augen.

    Liebe Grüße,
    Ilse Maria Lechner

  2. Hallo Frau Steidl,

    ob Singlepage ja oder nein ist doch eine Frage der Verwendung. Es macht wenig Sinn, einen Smart zu analysieren um dann festzustellen, dass die S-Klasse viel besser ist.
    Wenn ich mit einem Smart von Flensburg nach Berchtesgarden fahren will, ist ein Smart möglichweise etwas zu unkomfortabel, für eine Fahrt zum Bäcker um die Ecke ist die S-Klasse völlig überdemensioniert.
    Für Seiten mit übersichtlichem Inhalt oder für eine Page, die für eine bestimmte Zielgruppe bestimmt ist, halte ich eine Single-Website für eine interessante Möglichkeit. Für eine Website mit übersichtlichem Inhalt reicht dann möglichweise ein für Suchmaschinen optimiertes Keyword.
    Wem bei der Ansicht einer Singlepage schlecht wird, wer verwirrt ist oder nicht auf Anhieb die gewünschten Infos findet, hat möglicherweise ganz andere Probleme. ;-). Jede Website kommt mit der Zeit in die Jahre. Manche Websites sind schon beim Start nicht besönders attraktiv. Nach Ablauf der Halbwertzeit ist eh ein Neuanstrich fällig. Einem Webdesigner sollte es leicht von der Hand gehen, eine Singlepage in eine Website mit mehreren Einzelseiten umzufunktionieren.
    Die von Ihnen verlinkte Singlepage halte ich für ein schlechtes Beispiel, weil völlig überladen und schlecht designed. Leider ksnn ich kein besseres Beispiel liefern. Aber ich werde mich heute abend auf die Suche machen und ein Beispiel liefern.
    Mein Fazit: Einem Webdesigner sollte es leicht fallen, einen potentiellen Kunden auf die Vor- und Nachteile einer Singlepage hinzuweisen und ihm so eine entsprechende Entscheidungsgrundlage bieten. Fragen Sie sich doch mal welches CMS bestimmte Webdesigner gerne empfehlen? Typo3 oder? Obwohl in vielen Fällen WordPress eine einfachere und kostengünstigere Lösung ist. Alles eine fRage der Betrachtung. 😉

    Sonnige Grüße und weiterhin viel Erfolg mit Ihrer Website.

    Tanja Berger

    • Hallo Frau Berger,

      vielen Dank für Ihr ausführliches Feedback zu meinem Artikel.

      Ich habe OnePage ja nicht generell verteufelt, aber in meinen Augen werden sie zu inflationär für Projekte eingesetzt, für die Sie nicht passen. Ein bestimmtes Produkt knapp präsentiert, dafür machen OnePager sicher Sinn. Eine ganze Unternehmenspräsenz auf einer Seite unterzubringen geht in meinen Augen allerdings in den meisten Fällen schief.

      Zu schreiben, das Menschen, die sich auf einer OnePage-Website nicht zurechtfinden „ganz andere Probleme haben“ finde ich allerdings sehr kurz gegriffen.

      Wenn ich eine Website ins Netz stelle, dann ist wichtig, dass ich mein Zielpublikum damit auch anspreche. Wenn sehr viele die Seite wieder weg klicken, weil sie sich darauf aus welchen Gründen auch immer unwohl fühlen, dann muss ich das berücksichtigen. Es sei denn es ist mir egal, ob meine Website Besucher hat oder nicht.

      Sie müssen übrigens nicht nach positiven Beispielen googlen – In dem letzten verlinkten Artikel werden Best Practice-Beispiele für One Page Webdesign vorgestellt.

      Und last not least: Natürlich ist es die Aufgabe eines Webdesigners einen Kunden darauf hinzuweisen, wo potenzielle Vor- und Nachteile eines bestimmten Designs liegen. Unter anderem aus diesem Grund habe ich diesen Artikel ja geschrieben 🙂

      Herzliche Grüße
      Michaela Steidl

    • Hallo Marianne,

      Danke für Dein schönes Feedback zu diesem Beitrag. In der Tat war die Diskussion am Samstag der ausschlaggebende Punkt diesen Artikel zu verfassen.

      Herzliche Grüße
      Michaela

  3. Hallo,

    bin auf diesen Bericht gestoßen und möchte mir erlauben auch meine Meinung dazu zu schreiben.

    Für mich sind diese OnePage Seiten ein absoluter Graus und wenn ich auf solch eine Seite stoße bin ich in der Regel auch gleich wieder weg.

    Da ich schon ein bißchen Älter bin, sehe ich es so das man scih nicht jedem neumodischem Kram anschließen muss.
    Des weiteren stellt sich für mich die Frage, wie verwirrend es doch teilweise für die User sein muss, die sich immer noch schwer tun was die Navigation auf Internetseiten angeht.

    Ich denke das es ganz viele User gibt, die froh sind das sie sich halbwegs sicher im Internet bewegen können und froh sind wenn sie alte bekannte muster wieder finden.

    • Hallo Thomas,

      Danke auch für Ihr Feedback.

      Wie ich ja auch schon in meiner Antwort an Frau Berger geschrieben habe: Es gibt durchaus Fälle, in denen die Verwendung eines OnePage-Webdesigns sinnvoll und zielführend ist.

      Oberstes Ziel muss es aber immer sein, einem Benutzer die Orientierung auf der Seite so leicht wie möglich zu machen. Ihr Kommentar zeigt ja sehr gut, dass das leider nicht immer gelingt.

      Herzliche Grüße
      Michaela Steidl

  4. Hallo Frau Steidl,

    ich bin bei Ihnen bezüglich der Verwendung von OnePagern für große Firmenauftritte. Dafür sind sie aber auch nicht gedacht! Zwei wie ich meine gelungene Umsetzungen: inspiration-tibet.de und heikerittler.de. Viele Grüße und viel Erfolg weiterhin, Antje Krause-Harder

    • Hallo Frau Krause-Harder,

      die beiden Beispiele finde ich in der Tat sehr ansprechend. Insbesondere bei heikerittler.de ist die Umsetzung so angenehm, dass es auf mich ausgesprochen ansprechend wirkt.

      Herzliche Grüße
      Michaela Steidl

  5. Ein guter Beitrag, wie ich finde. Es ist eben wie einfach alles im Leben immer eine Frage des Geschmacks. Dem einen gefällt es und der nächste findet es grauenhaft.Es muss einfach zum Gesamtkonzept passen.
    Gruß

    • Ja, genau so ist es. Der eine mag Blümchenleggins, der andere nicht 😀

      Und ich muss zugeben, seit ich diesen Beitrag geschrieben habe habe ich durchaus den ein oder anderen wirklich schicken OnePager gesehen.

  6. Ich denke, es ist eine Frage der Umsetzung. Wenn alle Bereiche, die „aneinandergeklebten“ Unterseiten, gut durch eine zentrale Navigation erreichbar sind, findet der User, was er sucht. Es ist es doch egal, ob tatsächlich auf Unterseiten verlinkt wird oder mittels Anker auf einen Unterbereich.

    Bei http://www.inspiration-tibet.de ist das gute gelungen, die Navi bleibt oben immer sichtbar. Bei http://www.heikerittler.de wäre zu bemängeln, dass die Seite nicht responsiv ist, was ich viel schlimmer finde.

    Meine Frage wäre: wird so eine Seite. die dadurch mehr Content enthält von den Suchmaschinen nicht sogar besser bewertet?

  7. Pingback: 3 Fragentypen für Ihren Blog (Teil 1)

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